| Den Völkern des Altertums waren Bücher, wie wir sie kennen, unbekannt. Wir verstehen unter
einen Buch zusammengefalzte, mit Schriftzeichen versehene Blätter, die zu mehreren Bogen
zusammengelegt und in feste Deckel geheftet sind. Die alten Völker, die Ägypter, nach ihnen
die Griechen und Römer, gebrauchten zu ihren schriftlichen Aufzeichnungen die Schriftrollen;
diese bestanden aus langen Streifen aneinandergeklebter, aus dem feinen Bast der Stengel der
Papyruspflanze (Cyperus papyrus) geschälter Blätter, die zusammengerollt aufbewahrt wurden
und deshalb Rollen (lat. volumina) genannt wurden.
Bücher in der heute üblichen Form sind in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten aufgekommen und etwa im 5. Jahrhundert allgemein an die Stelle der vorher gebrauchten Schriftrollen getreten Der Einband dieser Zeit bestand gewöhnlich aus Holzdeckeln, die mit Leder überzogen oder mit elfenbeingeschnitzten, goldenen oder silbernen Platten, die mit Edelsteinen und getriebenen Ornamenten verziert waren, bedeckt wurden. Die Anfertigung der Bücher geschah anfänglich nur in Klöstern; erst im 15. Jahrhundert traten bürgerliche Buchbinder auf. Der Ausbreitung des Buchdruckes folgte natürlich die der Buchbinderei auf dem Fuße. Die ersten gedruckten Bücher bekamen massige Eichenholzdeckel, dann überzog man dünnere Holzdeckel mit Pergament oder weißem Schweinsleder, in welches Verzierungen eingepreßt wurden. Quelle: Brade - Kersten "Illustriertes Buchbinderbuch" Ein Lehr und Handbuch der gesamten Buchbinderei und aller dieses Fach einschlagenden Techniken von Paul Kersten Lehrer der Klasse für künstlerichen Bucheinband der Gewerbeschule Berlin-Charlottenburg. Leiter der Buchbinderei-Fachschule des Lette-Vereins. neunte Auflage 1929 |