Witze des Monats September 1999    

Tagebuch eines Studenten 

    * 1. Semester *

    05:30 Der Quarz-Uhr-Timer mit Digitalanzeige gibt ein zaghaftes "Piep-Piep" von sich. Bevor sich dieses zu energischem
    Gezwitscher entwickelt, sofort ausgemacht, aus dem Bett gehüpft. Fünf Kilometer Jogging um den Strandboden, mit
    einem Besoffenen zusammengestossen, anschliessend eiskalt geduscht. 
    06:00 Beim Frühstück Wirtschaftsteil der Vortagszeitung repetiert und Keynes interpretiert. Danach kritischer Blick in
    den Spiegel, Outfit genehmigt. 
    07:00 Zur Uni gehetzt. H1 erreicht. Pech gehabt: erste Reihe schon besetzt. Niederschmetternd. Beschlossen, morgen doch noch
    eher aufzustehen. 
    07:30 Vorlesung, Mathe Kolberg. Keine Disziplin! Einige Kommilitonen lesen Sportteil der Zeitung oder gehen zu Bölling
    frühstücken. Alles mitgeschrieben. Füller leer, aber über die Witzchen des Dozenten mitgelacht. 
    08:00 Vorlesung, Buchführung Issel. Verdammt! Extra neongrünen Pulli angezogen und trotz eifrigem
    Fingerschnippens nicht drangekommen. 
    10:45 Nächste Vorlesung. Nachbar verlässt mit Bemerkung "Sinnlose Veranstaltung" den Raum. Habe mich für
    ihn beim Prof entschuldigt. 
    12:00 Mensa Stammessen II. Nur unter grössten Schwierigkeiten weitergearbeitet, da in der Mensa zu laut. 
    12:45 In Fachschaft gewesen. Mathe Skript immer noch nicht fertig. Wollte mich beim Vorgesetzten beschweren. Keinen Termin
    bekommen. Daran geht die Welt zugrunde. 
    13:00 Fünf Leute aus meiner 0-Gruppe getroffen. Gleich für drei AG's zur Klausurvorbereitung verabredet. 
    13:30 Dreiviertelstunde im Copyshop gewesen und die Klausuren der letzten 10 Jahre mit Lösungen kopiert. Dann
    Tutorium: Ältere Semester haben keine Ahnung. 
    15:30 In der Bibliothek mit den anderen gewesen. Durfte aber statt der dringend benötigen 18 Bücher nur vier
    mitnehmen. 
    16:00 Proseminar. War gut vorbereitet. Hinterher den Assi über seine Irrtümer aufgeklärt. 
    18:30 Anhand einschlägiger Quellen die Promotionsbedingungen eingesehen und erste Kontakte geknüpft. 
    19:45 Abendessen. Verabredung im "Blauen Haus" abgesagt. Dafür Vorlesungen der letzten paar Tage nachgearbeitet. 
    23:00 Videoaufzeichnung von "WiSo" angesehen und im Bett noch das "Kapital" gelesen. Festgestellt, 18-Stunden-Tag zu kurz.
    Werde demnächst die Nacht hinzunehmen. 

    * 13. Semester *

    10.30 Aufgewacht! Ach, Kopfschmerzen, Uebelkeit, zu deutsch: KATER! 
    10.45 Der linke grosse Zeh wird Freiwilliger bei der Zimmertemperaturprüfung. (Arrgh!) Zeh zurück. Rechts Wand,
    links kalt; Mist, bin gefangen. 
    11.00 Kampf mit dem inneren Schweinehund: Aufstehen oder nicht - das ist hier die Frage. 
    11.30 Schweinehund schwer angeschlagen, wende Verzögerungstaktik an und schalte Fernseher ein (inzwischen auch
    schon verkabelt). 
    12.05 Mittagsmagazin beginnt. Originalton Moderator: "Guten Tag liebe Zuschauer 
    Guten MORGEN liebe Studenten." Auf die Provokation hereingefallen und aufgestanden. 
    13.30 In der Cafetaria der Mensa am Strandboden beim Skat mein Mittagessen verspielt. 
    14.30 In Rick's Cafe hereingeschaut. Geld gepumpt und 'ne Kleinigkeit gegessen: Bier schmeckt wieder! Kurze Diskussion mit
    ein paar Leuten über die letzte Entwicklung des Dollar-Kurses. 
    15.45 Kurz in der Bibliothek gewesen. Nix wie raus, total von Erstsemestern überfüllt. 
    16.00 Fünf Minuten im Tech gewesen. Nichts los! Keine Zeitung, keine Flugblätter - nichts wie weg. 
    17.00 Stammkneipe hat immer noch nicht geöffnet. 
    18.15 Wichtiger Termin zuhause: Star Trek! 
    18:20 Mist! Kein Star Trek! Stattdessen Live-Uebertragung von Stöhn-Seles. SAT 1 war auch schon besser... 
    19.10 Komme zu spät zum Date mit der blonden Erstsemesterin im Havanna. Immer dieser Stress! 
    01.00 Die Kneipen schliessen auch schon immer früher... Umzug ins Jovel. 
    04.20 Tagespensum erfüllt. Das Bett lockt. 
    05.35 Am Strandboden von Erstsemester über'n Haufen gerannt worden. Hat mich gemein beschimpft. 
    06.45 Bude mühevoll erreicht. Insgesamt 27,50DM ausgegeben. Mehr hatte die Kleine nicht dabei. 
    07.05 Schlucke schnell noch ein paar Alkas und schalte kurz das Radio ein. Stimme des Sprechers: "Guten Morgen liebe
    Zuhörer, gute NACHT liebe Studenten." 


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Copyright  ©  01.09.1999  Enrico May